Not lindern mit der Hilfe Gottes

erschienen im Anzeiger, dem Ostschweizer Wochenmagazin
am 2. Dezember 2009
von Daniela Huijser

Der Name Pater Rolf steht bei Notleidenden in Osteuropa für Hilfe und Hoffnung. Der Wiler unterstützt mit einem internationalen Verein «Triumph des Herzens» Bedürftige mit Tonnen von Hilfsgütern.

Spitalbetten, Baumaterial, Elektroartikel, Kleider, Möbel – was wir als selbstverständlich erachten, ist in vielen osteuropäischen Ländern Mangelware. In Litauen, Lettland, Russland, Rumänien und der Ukraine werden die jährlich 120 Lastwagen von «Triumph des Herzens» deshalb jeweils sehnsüchtig erwartet, denn sie bringen diese begehrte und dringend benötigte Fracht aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Luxemburg zu jenen, die am Rande der Existenz leben. Möglich macht dies Pater Rolf-Philipp Schönenberger mit Dutzenden von freiwilligen Helfern in allen Ländern.

P. Rolf Schönenberger beim Beladen des Lastwagens

1993 hatte der Wiler Priester «Triumph des Herzens» gegründet, nachdem er zuvor einige Jahre lang Pilgerreisen nach Russland organisiert hatte, um Menschen aus der Schweiz die Not im Land vor Augen zu führen. Die Betroffenheit war gross; ebenso der Wunsch, diese Not zu lindern. Also beschloss Pater Rolf, einen Lastwagen zu kaufen und so Hilfsgüter in die damalige Sowjetunion zu liefern. «90'000 Mark kostete damals ein LKW, ich hatte aus Spenden jedoch nur 40'000 beisammen. Ein junges Ehepaar gab mir dann das restliche Geld als zinsloses Darlehen für ein Jahr», erzählt der 56-Jährige bei unserem Gespräch in Wil. «Als das Jahr um war, hatte ich überhaupt kein Geld, konnte das Darlehen also nicht zurückzahlen.» Pater Rolf wandte sich im Gebet an die Mutter Gottes, schilderte seine Notlage und bat um Hilfe. «Am nächsten Tag erhielt ich einen Brief vom Ehepaar, in dem stand, dass sie mir das Geld schenken würden!»

Gott in die Pflicht nehmen

Ähnliche Beispiele hat der Pater während seiner jahrelangen Arbeit immer wieder erlebt. «Wenn ich nicht mehr weiss, wie ich Bauarbeiter bezahlen oder Schulden begleichen soll, sage ich Gott, er solle sich darum kümmern.» Enttäuscht worden sei er noch nie. Selbst damals, als er um 100 Meter Kupferkabel für ein Kloster bat, das einen Brandschaden erlitten hatte. «Eine Woche nach meinem Gebet kommt in Moskau ein LKW mit einer Rolle Kupferkabel an, die eine Firma in Deutschland nicht mehr brauchte – ich hatte nichts damit zu tun; ich hatte einfach Gott um Hilfe gebeten.

Deshalb verzweifelte Pater Rolf auch nicht, als ihm ein Bauleiter sagte, dass die Arbeiten an einem Kinderzentrum in Rumänien bald beginnen könnten, sofern 600'000 Euro überwiesen würden. «Zwei Tage später erhielt ich einen Anruf und jemand bot mir an, dieses Projekt finanziell komplett zu über-nehmen.» Deshalb könne er auch immer ruhig schlafen, sagt Pater Rolf mit einem Lächeln.

Bloss nicht Russland!

Dass er dereinst so viel Gutes bewirken könnte, daran hat er 1984, als er in die Sowjetunion geschickt wurde, nicht im Traum gedacht. «Ich wollte als Missionar in ein warmes, südliches Land, am liebsten ans Meer. Russland war mir extrem zuwider», erinnert er sich. «Doch ich rang mich durch, lernte die Sprache, bereiste das Land.»

Heute kennt man Pater Rolf in weiten Teilen Osteuropas, wendet sich an ihn mit Unterstützungsgesuchen und Projektvorschlägen. Und er hilft wo immer möglich, unabhängig von der Konfession der Betroffenen – sein Verein unterstützt Muslime genauso wie Christen.

P. Rolf Schönenberger mit Lastwagenchauffeur
Pater Rolf mit Chauffeur Nicu Prajanu, der die dringend benötigten Hilfsgüter nach Rumänien bringt.

Bürokratie als Hindernis

Obwohl er dabei nicht immer auf offene Türen stösst, hat er nie ans Aufhören gedacht. «Am schwierigsten sind die Zollvorschriften! Eine LKW-Lieferung braucht bis zu 150 Unterschriften – und das ist noch keine Garantie, dass die Ware vor Ort verteilt werden kann!» Der Verein arbeitet nun seit einem Jahr mit einer Transportfirma zusammen, dadurch wurden die Transporte billiger als mit den eigenen fünf LKWs. «Dieses Jahr haben wir den ersten Wagen nach Lettland geschickt, dem ärmsten Land Europas – und die Transportfirma hat uns diese erste Fahrt geschenkt!»

Pater Rolf ist in Gedanken bereits wieder in Rumänien, wo er fast den ganzen Dezember verbringen wird. Unermüdlich wirkt er, der auch schwere persönliche Schicksalsschläge verwinden musste: Vor einigen Jahren wurde er auf der Strasse in Kiew brutal zusammengeschlagen, erlitt mehrere Kieferbrüche und verlor fast die Hälfte seines Blutes. Vier Wochen lang lag er in der Ukraine im Spital – im einzigen Bett der ganzen Abteilung! Und im vergangenen Jahr erlitt er zwei schwere Hirnschläge, konnte nicht mehr sprechen, sich kaum noch bewegen. «In Rumänien machte ich eine Therapie – und heute gehts mir wieder sehr gut.» So gut, dass er überall selbst mitanpackt: beim Verladen der Güter und beim Verteilen der Weihnachtspäckli an die Ärmsten in Rumänien. «Ich will alles in meiner Macht Stehende tun, damit diese Not verschwindet, denn jeder Mensch in Not hat ein Anrecht auf unsere Hilfe!», sagt der Pater mit seinem unerschütterlichen Glauben an Gottes Hilfe.

Klares Lebensziel

Rolf-Philipp Schönenberger (1953) ist in Wil aufgewachsen und wollte bereits als kleiner Knirps Missionar werden. Während der Pubertät, am Gymnasium in Einsiedeln, zweifelte er einige Jahre daran, dass er wirklich Priester werden wollte, da er sich zu jener Zeit auch eine eigene Familie wünschte. Schliesslich entschied er sich jedoch für das Theologiestudium, das er in Innsbruck und Rom absolvierte; in Fatima wurde er 1992 zum Priester geweiht.

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