Weihnachtsaktion 2012 in Bocsa, Rumänien

15.-24. Dezember 2012
von P. Rolf-Philipp Schönenberger

Auch dieses Jahr konnten wir dank der tatkräftigen Unterstützung vieler Familien, Vereine, Strickgruppen, Pfarreien und Schulen in der Schweiz, Luxemburg, Österreich und Deutschland vielen Familien und Kindern in Osteuropa eine grosse Weihnachtsüberraschung bereiten. Acht Sattelschlepper wurden ab Mitte November mit Hilfsgütern, Lebensmittel- und Weihnachtspaketen beladen und nach Rumänien, Lettland und in die Ukraine gebracht, wo sie an bedürftige Familien, Kinder und alte Menschen verteilt wurden. Für die grosse Hilfsbereitschaft der Wohltäter in Luxemburg, Deutschland, Österreich und der Schweiz möchte ich mich im Namen aller Beschenkten ganz herzlich bedanken, auch bei den freiwilligen Helfern in Rumänien, ohne die eine reibungslose Verteilung nicht möglich gewesen wäre!

Der nachfolgende Dokumentarbericht gibt einen Einblick in die grossen Vorbereitungsarbeiten unzähliger Menschen in Westeuropa, welche diese Aktion unterstützt haben und zeigt die Verteilung der Pakete in Rumänien, wo wir mehrere tausend Lebensmittel- und Weihnachtspakete an benachteiligte Menschen abgeben durften.

Drei Sattelschlepper mit Weihnachtspaketen aus der Schweiz, Deutschland und Lebensmittelpaketen aus Luxemburg sind bis Mitte Dezember 2012 in unserem Hauptlager der Stiftung "Triumph des Herzens" (Triumful Inimii) in der Stadt Bocsa angekommen. Die Vorbereitungen für die zielgerichtete Verteilung der Geschenke ist einige Wochen voraus angelaufen.

Gestapelte Lebensmittelpakete

Für die einzelnen Strassen und Quartiere der Stadt mit ihren 17'000 Einwohnern waren 40 Administratoren tagelang unterwegs, um die ärmsten Bewohner und Familien der Stadt ausfindig zu machen. Listen wurden erstellt und mit den Listen der Bewohner, die von der Stadtgemeinde Sozialhilfe in Anspruch nehmen, abgeglichen. Administratoren, die sich in der Vergangenheit nicht als zuverlässig erwiesen haben, wurden ersetzt. Die Administratoren haben sich mehrmals im Kinderzentrum getroffen, wo sie genauestens für ihre Aufgabe gebrieft wurden. Ähnliche Treffen gab es auch mit den 20 Studenten, die uns eine ganze Woche täglich freiwillig begleiteten, damit die Verteilung reibungslos verlief. Die Hauptaufgaben übernahmen unseren 7 bewährten Mitarbeiter der Stiftung. Bis am 24. Dezember waren alle Pakete verteilt und von den Empfängern quittiert worden.

Helferinnen und Helfer

Die Bilder im Film und in den Fotos sprechen ihre eigene Sprache. Aber sie sind nur ein kleiner Teil der Armut, von der ein grosser Teil der Bevölkerung betroffen ist. 34% der Bevölkerung ist arbeitslos und viele Familien haben deshalb nur das absolute Minimum für den Lebensunterhalt. Die Zustände in den Familien und bei den Kranken machten uns so betroffen, dass ich oft nicht in der Lage war, das Elend zu filmen oder zu fotografieren. Im Geheimen habe ich mir immer wieder Tränen abgewischt oder habe die Räume beschämend verlassen. Könnte doch unsere Jugend und unsere konsumorientierte Bevölkerung aus Westeuropa diese Zustände sehen! Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, um es zu begreifen. Selbst unsere Studenten sagten mir: "Wir wussten nicht, dass es in unserer Stadt solches Elend gibt".

Sehr kleine Wohnung in schlechtem Zustand

Bei den Omas, die so viel unter dem Kommunismus und der Gottlosigkeit zu leiden hatten, blieb kein Auge trocken. Bei jeder Familie habe ich um Erlaubnis gefragt, filmen zu dürfen. Die Menschen verstehen sehr wohl, zu welchem Elend sie verurteilt sind. Damit sie mit dem minimalen Lebensunterhalt überleben können, müssen oft 10, 12 oder 14 Personen in 2 Zimmern auf engstem Raum zusammengepfercht leben. In vielen Wohnungen gibt es keine Küche, kein Bad, kein WC. Gekocht wird auf dem Holzofen, den man sich mühsam eigenhändig in den Wohnblocks eingebaut hat, weil das vorhandene Gas nicht bezahlbar ist. In den ärmsten Wohnblocks, die der Gemeinde gehören, gibt es pro Stockwerk 18 Wohnungen ohne Toiletten. Fürchterlich stinkende Türkische Toiletten stehen im Hausflur zur Verfügung. Deshalb kommt es öfters vor, dass Bewohner ihre Notdurft in Plastiksäcken in den Hof werfen. Ein Mangel an Erziehung, gewiss, aber die Menschen verrohen aufgrund der unhaltbaren Zustände und auch die Kriminalität nimmt drastisch zu.

Besuch bei behinderten Kindern

Ein besonders Erlebnis war der Besuch in der Spezial-Schule für behinderte Kinder in Bocsa und aus der ganzen Region, von denen viele Vollwaisen oder von den Eltern abgegebene Kinder sind, die auch das Wochenende in der Schule verbringen. In ihren Zimmern habe ich kein einziges Plüschtier gesehen, keine Spielzeuge und keine Bilder. Vermutlich hat sich noch niemand von der Schulleitung bei uns gemeldet. Bekommen wir doch Berge von Spielzeugen und Plüschtieren! Umso grösser war deshalb die Freude und Dankbarkeit der Kinder, weil jedes im Weihnachtspaket ein Spiel und ein Plüschtier gefunden hat. Die Gesänge der Kinder gingen uns allen unter die Haut. Wir haben ihnen versprochen, dass wir nächstes Jahr eigens einen geschmückten Christbaum für den Speisesaal bringen werden, da nichts in dieser Schule an Weihnachten erinnert hat.

Kinder mit Weihnachtsgeschenken

Wie glücklich waren die Kinder, Eltern und Grosseltern bei den Weihnachtsfeiern mit anschliessender Bescherung im Kinderzentrum unserer Stiftung - ein kleines Paradies im Elend dieser Stadt. Aufgrund des grossen Andrangs, haben wir dieses Jahr zum ersten Mal zwei Feiern mit je 200 Personen durchgeführt. Die Kindergärtnerinnen und Lehrer haben aus den Hilfsgütern Kleider für alle 110 Kinder genäht und weihnächtliche Gesänge und Gedichte einstudiert. Unsere Direktorin, Daniela und ihr Mann, der Bürgermeister, haben den Kindern und geladenen Gästen den Sinn der Weihnachtsfeier erklärt, auf die Mitverantwortung aller hingewiesen und erneut betont, dass die Tätigkeit der Stiftung nur durch Wohltäter aus Westeuropa ermöglicht wird. Verschiedene orthodoxe Chöre mit Laien und Schwestern haben die Weihnachtsfeiern musikalisch verschönert.

Weihnachtsfeier im Heim

Unser Dank geht an alle Wohltäter und Beteiligten, deren Mühen und Grosszügigkeit sich gelohnt haben, damit wir alle ein bisschen Himmel auf Erden erleben durften.

Direktorin Daniela übergibt ein Weihnachtsgeschenk einem Buben

Fotogalerie

Eine Woche lang waren die rund 40 Helfer der Stiftung «Triumph des Herzens» von früh bis spät in der Stadt Bocsa und in den Dörfern der Region unterwegs, um die Lebensmittel- und Weihnachts- Pakete an die Bevölkerung und an die Kinder verschiedener Schulen zu verteilen.

Helfer mit Hilfspaketen
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