«Stricken ist wieder topmodern»

erschienen im Tagblatt
16. November 2013
von Ramona Cavelti

Donnerstags wird in Züberwangen gestrickt. Rund 15 Frauen treffen sich regelmässig, um ihr Hobby gemeinsam auszuüben. Das Gestrickte – Pullover, Mützen, Handschuhe – wird in einer Päckliaktion nach Osteuropa geschickt.

ZÜBERWANGEN. Es wird gestrickt, gehäkelt oder gestickt. Danebst ab und zu ein Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und Neuigkeiten ausgetauscht. Die rund 15 Frauen aus den Frauengemeinschaften Zuzwil und Züberwangen treffen sich regelmässig am Donnerstagnachmittag und teilen ihr gemeinsames Hobby. Dies nicht etwa, um selber zu profitieren oder die eigenen Kinder zu beschenken. Die ganze Arbeit dient einem guten Zweck. Pullover, Jacken, Socken, Handschuhe und was sonst noch alles gestrickt wird, geht als Spende an dasHilfswerk Osteuropahilfe «Triumph des Herzens».

Frauen mit ihren gestrickten Pullis etc.

Gemeinsam statt einsam

Ursula Blöchlinger und Silvia Steiger, Mitglieder der Strickerinnen, erzählen, wie die Idee entstanden ist. «Seit über zehn Jahren werden bei der Päckliaktion Kleider gesammelt. Viele ältere Frauen strickten bei sich zu Hause Kleider, die sie dann der Aktion spendeten. Andere wollten gänzlich damit aufhören, weil ihre Kinder nichts Selbstgemachtes mehr anzogen. Statt allein oder eben gar nicht mehr zu stricken, verständigte man sich darauf, demHobby gemeinsam nachzugehen.» Den Teilnehmerinnen sollte freigestellt sein, ob sie die Sachen für sich selber stricken oder einer Institution spenden. «Bereits bei der ersten Durchführung nahmen acht Personen teil», sagt Silvia Steiger. Im Gemeindeblatt wurden die Einwohner zur Spende vonWolle aufgerufen. So kam man zu einem grösseren Fundus an Wollresten. Gestrickt wird nun schon seit fünf Jahren, und die Lust daran ist den Frauen noch lange nicht vergangen.

Mützen in allen Variationen

Die älteste Teilnehmerin, Josy Hug, hat unzählige Mützen in allen Farben und Grössen gestrickt. «Für mich selbst stricke ich nicht. Ich habe genug zum Anziehen», sagt sie. Sie strickt auch zu Hause, wo sie immer einen Zuschauer hat. «Mein kleiner Hund ist immer dabei, wenn ich stricke.  Er schaut mir zu.» Die Frauen sind sich einig, dass Stricken wieder modern ist. «Schauen Sie sich die heutige Mode an. Strickpullover sind auch bei den jungen Leuten in», ist eine Frau überzeugt, während sie versucht, ihr Gilet zu retten. «Mir ist gerade einMalheur passiert», erklärt sie. Gearbeitet wird nach Mustern, die «komplizierter aussehen, als sie sind», wie Silvia Steiger sagt. Eineweitere Strickerin zeigt stolz ihre Mütze, mit der sie gerade fertig geworden ist. «Ich stricke seit 20 Jahren regelmässig. Nun möchte ich die Mütze mit etwas Gehäkeltem verzieren, bin aber etwas aus der Übung», schmunzelt sie. «Nicht verzagen – Rösli fragen», heisst es in der Runde. Sie wird auch als Handarbeitslehrerin bezeichnet. «Sie hilft und erklärt, wo sie kann. Sie hat extrem lange Erfahrung», sagen ihre Kolleginnen.

Rösli erklärt das Stricken
Rösli erklärt das Stricken

Neue und hochwertige Kleider

Die Teilnehmerzahl in den fünf Jahren ist konstant geblieben. Auch Wolle wird noch gesammelt. «Es sind nicht nur ältere Leute, die uns Wolle liefern. Zudem gibt es immer noch Geschäfte, die Wolle anbieten», sagt Ursula Blöchlinger. Der Bedarf an Kleidern in Osteuropa ist gegeben. «Die Kleider, die wir liefern, sind neu und haben eine gute Qualität», sagt Blöchlinger. So freuen sich die Strickerinnen darauf, mehr als acht Bananenschachteln auf Lastwagen zu tragen und armen Familien eine Freude zu bereiten. Die Verladeaktion findet am 20. und 21. November statt. Im Pfarreizentrum können Kleider, Plüschtiere, Schreibzeug und ähnliches abgegeben werden.

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