Nothilfe für die Flüchtlinge in der Ukraine

10. Dezember 2014
Björn Apostel

Im Sommer diesen Jahres wurde am offenen Mikrofon unserer Montagsmahnwachen für den Frieden die Frage gestellt, was wir denn abgesehen vom informieren der Bürger, im Rahmen unserer montäglichen Demonstrationen, noch konkretes tun können um den Opfern des Konfliktes in der Ukraine Hilfe zu leisten. So wurde die Idee geboren, einen Hilfsgütertransport für ukrainische Flüchtlinge zu organisieren. Dabei wollten wir in erster Linie Kinderspielzeug und dringend benötigte Winterbekleidung sammeln, da die Kinder zwar nicht für die politischen Verwerfungen verantwortlich sind, aber dennoch zu den größten Verlieren dieses fürchterlichen Bürgerkriegs zählen. Wir wollten den Flüchtlingskindern wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihnen so wenigsten für wenige Momente diese schrecklichen Erfahrungen vergessen lassen.

Nach einigen Wochen der Recherche stellte sich ein wenig Ernüchterung ein, da es sich aufgrund vieler zu beachtenden Faktoren als äußerst schwierig erwies, Hilfsgüter überhaupt in die Ukraine zu bekommen und dann auch gewährleisten zu können, dass die Spenden wirklich da ankommen wo sie benötigt werden. In Zusammenarbeit mit der Osteuropahilfe, welche ein über Jahre gesammeltes Know how, eine perfekte logistische Lösung und vertrauenswürdige Empfänger in der Ukraine verfügt, fand sich schliesslich eine optimale Lösung, wie unsere Hilfsgüter an die direkt Betroffenen geliefert und abgegeben werden können. Die Osteuropahilfe sicherte uns auch zu, dass wir mit einer kleinen Delegation den Transport begleiten und die Verteilung der Hilfsgüter vor Ort überwachen und dokumentieren können.

Hände mit Friedenszeichen und Herz

Deutschlandweite Solidarität

Nachdem wir die Fragen des Transportes in die Ukraine geklärt hatten, folgte ein kleiner Video Spendenaufruf via Facebook und die Idee hatte sich innert kürzester Zeit deutschlandweit verbreitet. Es sollte ein WIR Projekt entstehen, bei dem sich jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten beteiligen konnte. So begannen wir Flyer zu verteilen, finanzielle Mittel zu sammeln, haben gemeinsam mit unseren Kindern deren Spielzeug, welches sie zuhauf herum liegen haben und eh nicht mehr benutzen, aussortiert und ihnen so mit auf den Weg gegeben, dass es ganz einfach ist zu helfen, wenn man nur einfach nur seinen kleinen Beitrag leistet. Wir haben unsere Kleiderschränke geplündert und auf Kinderflohmärkten Spenden gesammelt.

Säcke und Schachteln voller Hilfsgüter

Das Projekt sprühte vor Ideen und so hat z.Bsp. eine Musikerin ein Hauskonzert zu unseren Gunsten organisiert, die "Friedensmuttis" aus Halle haben zahlreiche Geschenke für Kinder gepackt, einige Kitas haben sich unserem Projekt angeschlossen, haben eifrig Spenden gesammelt, Friedenstauben gebastelt und das Wohnmobil welches unsere Delegation in die Ukraine begleitete bemalt. Eine christliche Gemeinde hat uns ihre leer stehende Kirche als Lager zur Verfügung gestellt und jeden Tag kam ein weiteres kleines Wunder hinzu.

Geschenke für Kinder

Eine logistische Meisterleistung

Insgesamt haben wir in einem Zeitraum von nur 8 Wochen, 2‘500 perfekt sortierte Bananenkartons voller Nächstenliebe, von denen jeder einzelne seine eigene kleine schöne Geschichte erzählen könnte, mit einer logistischen Meisterleistung in vier regionalen Sammellagern vereint und haben sie Dank der großen Unterstützung der Osteuropahilfe, problemlos in die Ukraine versenden können.

Pakete werden vom Einen zum Andern weitergereicht

Um uns ein Bild von der tatsächlichen Situation der Menschen in der Ostukraine und der Arbeit der Mission Ednist, einer Partner-Organisation der Osteuropahilfe, welche unsere Hilfsgüter in Empfang genommen hat, machen zu können, haben wir unseren Hilfsgütertransport begleitet, eine Woche lang unsere Hilfsgüter verteilt, viele emotionale Gespräche geführt und tiefgreifende Impressionen gesammelt.

Die Situation der Flüchtlinge in der Ukraine

Eine Woche lang waren wir zu Gast in Krementschuk, einer Stadt, welche ca. 100 km vom Kriegsgebiet rund um die Städte Slawjansk, Lugansk und Donezk entfernt ist und wo sich viele Menschen aus diesen jetzt zerbombten Städten hingeflüchtet haben. Die Leiterin der Mission Ednist, Maria Lomonosowa, hat sich sehr familiär und mit viel Liebe um unsere Unterbringung gekümmert und für unser leibliches Wohl gesorgt. Diese überwältigende Gastfreundschaft wurde nur von ihrer hingebungsvollen Arbeit, die sie seit über 16 Jahren für hilfsbedürftige Menschen leistet, übertroffen.

Gemeinsam mit dem Team der Mission Ednist haben wir unsere Hilfsgüter an Flüchtlinge verteilt, die bereits zum dritten Mal geflüchtet waren und sich nun mit einer Gruppe von 30 Personen die 10 Betten teilten, die in einem Industrie-Rohbau für sie aufgestellt worden waren. Wir verteilten Spenden an Mütter, die in großer Sorge um ihre zwangsrekrutierten Söhne sind und an Kinder, die bei Minusgraden mit Sommerrock und FlipFlops unsere dringend benötigten Spenden entgegen genommen haben. Auch die alten Menschen in den Dörfern, die ziemlich treffend die „Sterbenden“ genannt werden, weil sie oft trotz schwerer Krankheit und Behinderung von der Regierung und auch den Angehörigen allein gelassen werden, haben wir unterstützt. Die Armut ist wirklich erdrückend und obwohl die Menschen dort größtenteils selber nichts besitzen, füttern sie trotzdem noch die Straßenhunde.

Alte Frau
Photo (c) Mark Bartalmai, Donbass 2014

Die Menschen wollen Frieden

Aber wir haben die Ukrainer auch als stolzes Volk, dass stark mit seinen Wurzeln und seiner Kultur verbunden ist, kennen gelernt und haben dabei auch viele Meinungen bezüglich der Politik gehört. Doch auch wenn, vor allem unter den erwachsenen Flüchtlingen, natürlich jeder eine politische Meinung vertritt, geformt von persönlichen Erfahrungen und der Medienpropaganda beider Seiten, waren alle unsere Gesprächspartner durch ihren größten Wunsch vereint. Den Wunsch nach Frieden. Von Menschen, denen die Politik an sich egal ist, die nur in Ruhe ein glückliches Leben führen wollen und nun alles verloren haben. Menschen, für die der Winter das nächste große Problem ist und die dringend auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Deshalb sollte dieses Projekt als Ausrufezeichen dienen. Getragen von Nächstenliebe und einer kleinen gemeinsamen Idee, haben ca. 500 einfache Bürger aus dreißig Städten, die so etwas noch nie zuvor gemacht haben, und ohne als Verein oder Organisation miteinander verbunden zu sein, einfach kooperiert und innerhalb kürzester Zeit 120 Kubikmeter Sachspenden und die finanziellen Mittel für den Transport gesammelt. Stellen Sie sich vor, was wir erreichen könnten, wenn 5‘000 oder 50‘000 Menschen auf solche Weise zusammenarbeiten würden. Alles ist möglich, wir müssen es einfach nur tun.

Foto- und Videogalerie

Viele hundert Menschen sind dem Aufruf spontan gefolgt und haben über Wochen und Monate in 30 Städten Deutschlands Hilfsgüter, warme Kleider, Decken und Spielsachen für die Familien und Kinder, die aus den Kriegsgebieten der Ostukraine flüchten mussten, zusammengetragen. Die Fotos geben nur einen kleinen Einblick in die grosse logistische Herausforderung, mehrere tausend Pakete aus ganz Deutschland an vier Sammelstellen zusammenzuführen, damit sie auf die Sattelschlepper geladen und in die Ostukraine transportiert werden konnten.

Gestapelte Hilfsgüter
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Am 10.10.2014 ist in der Online Ausgabe von Braunschweig Heute ein Artikel über die Aktion erschienen, den Sie herunterladen können, indem Sie auf das untenstehende Bild klicken.

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