Mutter und Kind Projekt

Humanitäre Stiftung «Triumph des Herzens», Bocsa
13. Mai 2014

Wie bereits in den letzten Jahren hat die Humanitäre Stiftung «Triumph des Herzens» in Bocsa vom Februar bis Ende März eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen im Rahmen des Projektes "Mutter und Kind" durchgeführt. Das Projekt ist eine Direkthilfe für werdende Mütter und Familien mit Kindern unter zwei Jahren in der Gemeinde und den umliegenden Ortschaften von Bocsa, für welche Hilfspakete zur Verfügung gestellt werden, welche die notwendigsten Sachen für ein neugeborenes Baby bis zum zweijährigen Kind beinhalten. Die Informationsveranstaltungen, welche in unserem Kinderzentrum durchgeführt werden, beinhalten Informationen zur Familienplanung, Abtreibung und Säuglingspflege mit dem Ziel, die Frauen umfassend zu diesen Themen zu informieren und sie in der Säuglingspflege zu unterstützen.

Mütter und Kinder von Bosca

Die mangelnde Hilfe für Schwangere ist ein grosses Problem in Rumänien. Viele Rumäninnen sind nicht in das Versicherungssystem eingebunden und erhalten damit sowohl in der Zeit vor der Geburt als auch danach keinerlei finanzielle Unterstützung vom Staat. Betroffen davon sind vor allem Hausfrauen, unbezahlte Familienarbeiterinnen, Langzeitarbeitslose oder Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten und den notwendigen Mindestlohn für die Versicherungsleistung nicht aufbringen können. Auch die vom Staat an die Familien geleisteten finanziellen Zuwendungen sind unzureichend. Die Höhe der Familienbeihilfe wird von der Regierung festgesetzt. Wegen der unregelmässigen Inflationsanpassungen haben sowohl die staatliche Kinderbeihilfe als auch die Familienbeihilfe praktisch keine Auswirkungen auf die Kaufkraft der Familien.

Menschen in Bosca

Der Großteil der rumänischen Landbevölkerung lebt von wenig mehr als dem Mindesteinkommen von 188 Euro im Monat. Am meisten davon betroffen sind die Kinder, die oft unter erbärmlichsten Verhältnissen aufwachsen müssen. Für Kinder in Heimen, Kinder mit Behinderung, Romakinder und Kinder aus abgelegenen ländlichen Gebieten und aus städtischen Slums gibt es in Rumänien kein soziales Netz, das sie auffangen könnte. Kinder sind von Armut, Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit immer besonders stark betroffen. Sie sind solchen Einflüssen fast schutzlos ausgeliefert. Kinder können sich nicht gegen Gewalt wehren. Sie werden bei Unterernährung rascher krank. Sie können kaum etwas gegen ihre Notsituation unternehmen. Deshalb brauchen die Kinder unseren Schutz und ganz spezielle Hilfe.

Mutter mit Kind auf dem Arm

In Rumänien lebt heute jedes zweite Kind in Armut, in der Ukraine jedes dritte, in der Republik Moldau jedes vierte Kind. Kinder in ländlichen Regionen sind stärker von Armut betroffen, als Kinder in städtischen Gebieten. Rund 1,3 Millionen Kinder in Mittel- und Osteuropa sind in staatlichen Heimen untergebracht, wodurch sie zu den am stärksten verwundbaren Kindern in der Region zählen.

Bildung ist der Schlüssel für eine nachhaltig wirksame Entwicklung und ein möglicher Weg aus der Armut. Die Kombination aus Schulbesuch und täglicher Mahlzeit, die im Kinderzentrum in Bocsa angeboten wird, ist für die Eltern eine große Hilfe. Ihre Kinder können die Schule besuchen und die Kostenersparnis von zumindest einer Mahlzeit täglich ist für viele eine grosse Erleichterung. Um Kindern das Aufwachsen in ihrer eigenen Familie zu ermöglichen, bieten wir mit dem "Mutter und Kind"-Projekt eine weitere wichtige familienunterstützende Massnahme an.

Frau erhält ein Hilfspaket

Über 200 Frauen haben sich auch dieses Jahr für das Programm "Mutter und Kind" eingeschrieben und erhalten entsprechend ihren Bedürfnissen Unterstützung durch das Zentrum und Hilfspakete für die Pflege ihrer Kleinkinder. Wie wichtig diese Hilfe für die einzelnen Frauen und Familien ist, zeigen die nachstehenden Beispiele.

Marcella

Mutter Marcella mit fünf Kindern

Marcella hat 5 Kinder ohne ein nennenswertes Einkommen ausser dem Kindergeld vom Staat (ca. 9.30 EUR / Kind und Monat). Die Kinder sind von 2 Männern, welche sie beide verlassen haben. Sie wohnt im Haus ihrer Mutter mit mehreren Geschwistern, welche ihr drohen, sie fortzujagen. Oft telefoniert sie verzweifelt und bittet um Hilfe. Bei unserem letzten Besuch hatten ihre Kinder seit Tagen nur Maismehl gegessen.

Ricarda

Mutter Ricarda mit zwei Kinder

Ricarda wurde von ihrem Mann verlassen und ist total hilflos. Oftmals sind ihre Kinder erkältet aber sie hat kein Geld, um Arzneimittel für sie zu kaufen. Das letzte Mal hatte sie ihren Personalausweis für eine minimale Geldleihung hergegeben. Im Herbst mussten wir ihr Brennholz kaufen; nun freut sie sich über die Windeln und das Milchpulver, das sie für ihr neugeborenes Kind durch uns erhalten hat.

Jana

Mutter Jana mit ihren 7 Kindern

Jana hat 7 Kindern und ist hochschwanger mit dem achten. Das letztgeborene Kind ist ungefähr ein Jahr alt und schläft hier gerade. Sie hat ungefähr 130 Euro Schulden im Lebensmittelladen des Dorfes, denn das Gehalt ihres Mannes (weniger als 200 Euro pro Monat) reicht bei weitem nicht aus, um die Familie durchzubringen.

Arjona

Mutter Arjona mit ihren drei Kindern

Arjona lebt mit ihren Kindern in einer abgewrackten Industriehalle, welche keine Fenster und Türen mehr hat, weshalb es in ihre 10 Quadratmeter grosse Behausung manchesmal rein regnet. Ihr Mann arbeitet als Taglöhner für ein minimales Einkommen. Ihre Armut zwang sie, mit all ihrem Hab und Gut auf dem Rücken zum Bürgermeister des Dorfes zu gehen und ihn um Obdach in dieser verlassenen Industriehalle zu bitten, in der sie jetzt leben.

Amalia und Romina

Amalia und Romina mit ihren Kinder

Amalia und Romina, zwei Geschwister (die letztere, rechts im Foto, ist minderjährig und ohne Mann), sind in einer verzweifelten Lage: ohne Einkommen, ohne Brennholz und Lebensmittel wissen sie kaum, wie sie ihr Leben fristen sollen. Wir haben ihnen im Herbst Brennholz gebracht und unterstützen sie und ihre Kinder durch das Mutter und Kind Projekt.

Viona

Mutter Viona mit Baby auf dem Arm

Viona wohnt mit ihren Eltern, die alt und krank sind, in einem Zimmer. Wegen ihrer Schwangerschaft kam es oft zu Spannungen zwischen ihnen. Infolge unseres Besuches und der Hilfe die sie durch uns bekamen, haben die Eltern sie schliesslich mit ihrem Kind akzeptiert und ihre Mutter hilft ihr nun. Nur selten strahlt sie ein solches Glück aus, wie hier nach der Geburt ihres Kindes.

Herzlichen Dank den treuen Unterstützern

Viele freiwillige Helferinnen und Helfern von «Triumph des Herzens» und dem Verein «Werke statt Worte» in Deutschland helfen uns, die spezielle Not der Mütter in Osteuropa zu lindern. Der Basarkreis der Pfarrei Heilig Blut in Rosenheim erwirtschaftet durch den jährlichen  Adventsbasar einige tausend Euro. Von diesen Geldern werden die Windeln und Hygieneartkiel beschafft, die für die Mutter-Kind-Pakete benötigt werden. Wöchentlich an einem Vormittag werden von 6 Frauen aus dem Basarkreis  die Pakete gepackt. Der Vorsitzende des Vereins «Werke statt Worte» bringt regelmässig Babyjäcken, Söckchen und Decken, welche von verschiedenen Strickkreisen in Unterfranken gefertigt werden.

Der Verein übernimmt auch die Transportkosten für die Mutter-Kind-Pakete. Im Lager von Frau Brüggemann in Rosenheim stapeln sich die Windeln, Schnuller, Baby- und Kinderkleider, welche sorgfältig in hunderte von Schachteln abgepackt, nach Rumänien und in die Ukraine transportiert und dort an die bedürftigen Mütter verteilt werden.

Ihnen möchten wir - stellvertretend für die vielen tausend Mütter und Kinder, welche durch sie Hilfe erfahren haben, - unseren allerherzlichsten Dank aussprechen. Dank ihrem selbstlosen Einsatz konnten in den letzten zehn Jahren unzählige 'Mutter und Kind'-Pakete in der Ukraine und in Rumänien an bedürftige Frauen und Familien abgegeben werden.

Fotogalerie

Mit dem Förderprogramm "Mutter und Kind in Not" werden Mütter mit Kleinkindern unterstützt, welche nicht über die Mittel verfügen, ihre Kinder mit dem Notwendigsten zu versorgen. Es dient aber auch als Präventionsprogramm um vor allem junge oder alleinstehende schwangere Frauen zu ermutigen, ihre Kinder zur Welt zu bringen, wenn sie sehen, dass sie durch die Gemeinschaft Unterstützung erhalten.

Mutter mit Hilfspaket
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