Hilfe vor dem kalten Winter

erschienen im "Sonntag", der Kirchenzeitung der kath. Kirche in Kärnten
am 16. November 2014
von Ingeborg Jakl

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer treffen sich jeden Dienstag in Klagenfurt, um hier für Menschen in der Ukraine Kleidung, Schuhe, Betten, Haushaltswaren und vieles andere mehr zu sortieren, zu verpacken und auf Reisen zu schicken. Die Ukraine-hilfe schickt vor Weihnachten noch einen LKW-Zug in die Ukraine. Gebraucht werden warme Winterbekleidung, Schuhe, Decken und Pflegemittel für Kranke und Spenden für den Transport.

Warme Winterkleidung für die Menschen in der Ukraine

Es ist kalt. In der Halle herrschen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Trotzdem ist hier in der Peter-Mitterhofer-Gasse 29 in Klagenfurt ein reges Kommen und Gehen. Gerade hat Aloisia Mitterer aus Arnoldstein ihren vollgepackten Wagen vorgefahren. Aus dem Kofferraum holt sie exakt gepackte Kartons voller Winterkleidung. „Alles frisch gewaschen und vorsortiert.“ Hauben, Schals, Mützen und dicke Pullover auf der einen, Winterjacken und -mäntel auf der anderen Seite. „Jeder von uns kann teilen“, sagt sie, „jeder hat viel zu viel im Kasten hängen, Dinge, die man nie mehr anzieht.“ Waltraud Salzmann vom Ukraineteam nimmt die Kartons in Empfang, beschriftet sie sorgfältig und stapelt die Kartons in der hinteren Lagerhalle auf.

Helfer beim Einpacken Beschriften von Kartons

Im vorderen Bereich steht Rosa Tatic, seit vielen Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin, und sortiert die vorbeigebrachten Kleidungsstücke. „Wir verschicken nur gute und saubere Kleidung. Die meisten Spender halten sich auch daran“, sagt sie. An diesem Dienstagnachmittag füllt sich die Halle mit gut erhaltener Kleidung, Schuhen, Spielzeug und modischen Accessoires wie Handtaschen, Hüten, Schals. Aber auch tägliche Gebrauchsgegenstände wie original verpackte Zahnbürsten oder Kulturtaschen sind zu sehen. Kuscheltiere und Puppen liegen bereit und warten auf neue Besitzer.

Rosa Tatic beim Sortieren von Kleidungsstücken

Die Not ist groß

Waltraud Tomaschitz, die die Kleidersammlung für die Ukrainehilfe mit ihren Kolleginnen Waltraud Salzmann und Monika Orsini-Rosenberg betreut, ist von dem starken Interesse aus der Bevölkerung begeistert. Fein nach Größen und Jahreszeiten sortiert, liegen auf den großen Packtischen die verschiedenen Kleidungsstücke. Wärmendes für den Winter, Spielsachen für die Kinder. „Manche Sachen sind nicht getragen, sind ganz neu. Das sieht man sofort“, meint sie. „Die Menschen in der kriegsgeschundenen Ukraine freuen sich“, da ist sie sich ganz sicher. Gerade hat sie wieder mit den Koordinatoren vor Ort gesprochen. Es werden dringend warme Winterkleidung, Schuhe, Decken und Bettzeug gesucht.

In den vergangenen zwei Monaten sind jeweils über elf Tonnen von Kärnten aus in die Ukraine geliefert worden. Zum Packen des Lastzuges haben wie immer vier Leute der Caritas mitgeholfen, und die Verpflegung steuerte wie selbstverständlich seit Jahren das innerstädtische Lokal „La Pasta“ in Klagenfurt bei. „Ohne soviel Unterstützung könnten wir nicht weiterarbeiten“, gilt der Dank von Tomaschitz allen Beteiligten.

Zwei Frauen beim Ausladen eines Kartons

Jetzt, noch vor Weihnachten, wird wieder ein LKW-Zug gepackt und losgeschickt. „Damit die Menschen nicht frieren.“ Die Situation in der Ukraine ist angespannt. Es gibt viele Flüchtlinge und Menschen, die nicht wissen, wie sie die nächsten Monate überstehen sollen. Es fehlt an vielem. „Mit gut erhaltener Kleidung, aber auch mit Haushaltswaren, Pflegemitteln für Kranke sowie Büro- und Schulausstattung können wir helfen und machen den Menschen vor Ort eine große Freude, vor allem auch den Kindern“, betont Tomaschitz. „Denn Spielsachen, Puppen, Autos und Teddybären werden gebraucht, aber niemand hat Geld dafür.“

Neue Halle – altes Prinzip

Gerade ist die Ukrainehilfe, die vor Jahren von der inzwischen verstorbenen Anna Czernin initiiert wurde, in eine neue Halle umgezogen. Eine kluge Entscheidung, die von der Bevölkerung sofort angenommen wurde. Autos aus ganz Kärnten kommen jeden Dienstag vorbei. Auch mit Fahrrädern und kleinen Wägelchen stellen sich Ortskundige ein. Pausenlos parken auf dem Platz vor der Halle neue PKW´s ein. Auf den Rücksitzen liegen prall gefüllte Plastiksäcke mit Kleidung. Auch schicke Rollkoffer werden in den Saal geschoben, und manche bleiben dort sogar stehen. Waltraud Salzmann weiß, warum: „Die Leute haben ihre Kleiderspenden da ganz akkurat reingelegt und uns die Koffer gleich mit überlassen.“

Mann beim Sortieren von Schuhen

„Grundsätzlich nehmen wir nicht nur Kleidung und Wäsche an“, beschreibt Tomaschitz, sondern auch Hausrat, Geschirr, Möbel, Werkzeug, Nägel, Dübel, Fahrräder, Sportartikel, Spielzeug. „Den Leuten fehlt es an allem“, weiß die Koordinatorin. Wer sich nicht sicher ist, ob er mit seinen Sachen vorbeikommen soll, kann vorher mit Waltraud Tomaschitz Kontakt aufnehmen.

Die zehn Ehrenamtlichen haben jedenfalls genug zu tun und freuen sich, wenn sich weitere Helferinnen und Helfer einstellen. Denn die Kleider- und Sachspenden kommen reichlich. Aus unterschiedlichsten Gründen: Manches ist zu eng geworden. Anderes aus der Mode gekommen. Es gibt Sterbefälle, „dann mögen sich Angehörige manchmal nicht mit den Hinterlassenschaften im Schrank befassen, sondern packen alles in Kartons und geben es bei uns ab“, schildert Tomaschitz. Die guten Sachen werden sortiert: Kleidung für Frauen, Männer, Kinder, Bettwäsche, Handtücher, Schuhe, auch Spielzeug, sogar Schultaschen. Sie und ihre Kolleginnen können alles brauchen – nur sauber muss es sein. Was selbstverständlich sein sollte, aber manchen Spendern offenbar leider nicht klar ist. Daher schauen die Helferinnen genau hin, was ihnen da auf den Sortiertisch kommt.

Helfer beim Sortieren der Kleider in Kartons

Auch Asyl- und Flüchtlingsheime in Kärnten können ab sofort hier vorbeischauen und für ihre Schützlinge Notwendiges bekommen.

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Ukrainehilfe Klagenfurt

Adresse:
Peter-Mitterhofer-Gasse 29
9020 Klagenfurt
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Kontakt:
Waltraud Tomaschitz
Tel. +43-676-530 78 14
Email

Öffnungszeiten:
jeweils Dienstags von 14-16 Uhr

Angenommen werden:
Kleider, Schuhe, Duvets, Kissen, Wolldecken, Geschirr, Gehhilfen, Rollstühle, Mediz. Hilfsmaterial (keine Medikamente), Hygiene-Artikel, Matratzen, Fahrräder, Kinderwagen, Spielsachen, Instrumente, Religiöse Artikel und Möbel (nur nach Absprache).

Alle Güter werden nur in sauberem, funktionierendem Zustand angenommen.

Spenden:
Die Hilfsgütertransporte in die Ukraine werden durch Spendengelder finanziert. Die Ukrainehilfe ist für jede finanzielle Unterstützung dankbar.

Empfänger: Pro Deo et Fratribus
IBAN: AT89 3900 0000 3018 2570
BIC: RZKTAT2K

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