Über 100 Familien der Dörfer Devighat, Chapthok und Maghigaun erhalten Notunterkünfte aus Wellblech als Schutz gegen den nahenden Monsun

22. bis 26. Mai 2015
Einsatzbericht von Björn Apostel und Germaid Ponge

Überall wird gehämmert, gesägt und gewerkelt. Alle sind am bauen. Selbst unsere Nachbarn, ein Ehepaar vielleicht Ende 70, Anfang 80. Am Nachmittag hören wir von nebenan ein Krachen und Rufen. Der alte Mann steht vor seiner Hütte und klopft mit seinem Stock das alte Wellblech vom Dach. Seine Frau steht daneben und schreit Kommandos. Schnell eilen wir dazu und helfen den zwei motivierten Handwerkern. Nach 2 Stunden Arbeit haben wir den Beiden eine kleine Schutzhütte aus neuem Wellblech und starkem Bambus gebaut. Die Wände werden noch folgen, damit es nicht reinregnet. Oma und Opa sind happy und wir auch.

Grundgerüst für ein Wellblechhaus

Langsam neigt sich unser Aufenthalt im Dorf dem Ende entgegen. Seit 8 Tagen leben wir hier in Devighat unter einer Zeltplane. 5 Meter entfernt wohnen unsere Nachbarn, zwei Büffel im Kuhstall. Hühner und Küken laufen den Tag über durch unser Wohnzimmer. Morgens um 5 Uhr werden wir geweckt von den Frauen, die sich um den öffentlichen Wasserhahn scharen und ihre Krüge mit Trinkwasser füllen, welches hier 2x am Tag für eine Stunde fliesst. Die Männer spielen in der Mittagszeit Karten unter einem Baum und überall laufen Kinder herum, die uns freudig anstrahlen, winken und rufen: "What's your name?" Am Nachmittag ist es mittlerweile so heiss, dass man sich entweder nur sehr langsam oder gar nicht von der Stelle bewegt. Doch trotzdem bewegen wir uns. Mit der Hilfe der Einheimischen bewegen wir hier unglaublich viel.

Bewohntes Wellblechhaus

Nach über einer Woche Arbeit in den Dörfern, konnten wir nun um die 100 Familien mit Wellblech ausstatten. Damit lässt sich ein neues Dach bauen und zum Teil auch noch die Hauswände abdecken. Gegen 100 neue Häuser sind so innerhalb einer Woche entstanden. 35 Häuser in Devighat, 26 Häuser in Chapthok und 37 Häuser in Maghigaun.

Junge streckt Arme hoch zur Kamera

Wiederaufbau der Setidevi Primary School

Für den Bau der Setidevi Primary School ist nun auch alles organisiert und in Auftrag gegeben. Das Stahlgerüst des ersten Hauptgebäudes steht, inklusive Wellblechdach und starken Grundmauern. In den nächsten 10 Tagen folgen die Mauern mit eingelassenen Fenstern und Türen, sowie das zweite Nebengebäude. Wir werden Devighat nun zunächst verlassen und nach Kathmandu zurückkehren. Nach spätestens 10 Tagen werden wir wieder kommen und die Resultate der Arbeit in Augenschein nehmen. Wir haben weitere Anfragen von Einheimischen aus anderen Regionen erhalten, die ebenfalls Hilfe beim Wiederaufbau ihrer Dörfer benötigen. In der Zwischenzeit werden wir uns nun mit diesen in Verbindung setzten, um eure Spendengelder weitreichend und langfristig einzusetzen.

1. Stahlgerüst für den Wiederaufbau der Schule

Ein herzlicher Dank allen, die diese unglaubliche Aktion möglich gemacht haben.

Wir möchten uns bei allen Spendern bedanken, die es erst möglich gemacht haben, dass wir hier überhaupt solch enorme Projekte auf den Weg bringen konnten. Vielen Tausend Dank dafür! Unser Dank gilt auch allen Dorfbewohnern, die so tatkräftig engagiert waren; allen Jungs aus dem Dorf, die uns mit ihren Motorbikes die Berge sicher hoch und runter gebracht haben. Allen Muttis, die uns von allen Seiten so wunderbar mit Tee und leckeren Gerichten beköstigt haben. Ein besonderer Dank geht an Hanuman, der uns in jeder Hinsicht unterstützt hat und ohne den wir hier nicht die Hälfte Zustand gebracht hätten. Für uns ist er der heimliche Bürgermeister der Region geworden. Wir haben hier Freunde gefunden. Uns wurden die ersten Sätze Nepali beigebracht und wir haben unter dem Sternenhimmel zusammen nepalesische Volkslieder gesungen. Oder sind gemeinsam vor dem Fernseher gesessen, um den Bericht zu verfolgen, den das lokale Fernsehen über den Wiederaufbau der Schule gedreht hat.

Bewohnte Wellblechhütten

Es gab auch Schwierigkeiten, doch wir haben alles überstanden. Zum Beispiel drei grosse Stürme, Vorboten des nahenden Monsuns, welche unsere Zeltplanen zerrrissen haben. Viele Nachbeben, welche die Erde und uns immer wieder zum Zittern gebracht haben. Und das hiesige Schlachtfest, an dem das ganze Dorf freudig und vergnügt etliche Ziegen geopfert hat. Für uns Vegetarier eine harte Prüfung, die wir jedoch ebenfalls überstanden haben. Es war eine schöne, prägende, anstrengende, aber unvergessliche Zeit hier in Devighat.

Kinder in der Wellblechhütte

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Fotogalerie

In vier Wochen wird der Monsun die ohnehin unwegsamen Gebiete, in denen viele Dörfer durch die beiden verheerenden Erdbeben praktisch vollständig zerstört wurden, unzugänglich machen. Unser Team, dass seit drei Wochen Hilfsgüter, Zelte, Nahrung und medizinische Hife in diese Dörfer bringt, braucht dringend finanzielle Unterstützung, damit in der verbleibenden Zeit Wellblech gekauft und den Menschen gezeigt werden kann, wie sie mit einfachsten Mitteln regenfeste Unterstände bauen können. In der Region Devighat wurde in den letzten Tagen mit dem Aufbau von über 100 Häusern und einer Schule begonnen.

Junge in einem Wellblechhaus
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Links

"Liter of Light" ist eine Methode, mit einfachsten Mitteln aus einer Petflasche eine Solarlampe zu machen. Sie wird sehr erfolgreich in Gebieten eingesetzt, wo Menschen ohne Strom und in einfachsten Verhältnissen leben müssen.

Help Nepal now: Björn und Germaid haben einen eigenen Blog eingerichtet, auf dem sie ihre laufenden Berichte veröffentlichen.

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