Wiederaufbau von Notunterkünften in der Region Devighat

18. bis 21. Mai 2015
Einsatzbericht von Björn Apostel und Germaid Ponge

Seit vier Tagen befinden wir uns nun in Devighat. Und seitdem heisst es: bauen, bauen, bauen! Am Montag haben wir uns aus Kathmandu auf den Weg gemacht, zusammen mit einer LKW-Ladung Wellblech (240 Stück à 3.6 Meter) und einiges an Werkzeug. In Devighat trafen wir uns erneut mit unserem guten Freund Hanuman, mit dem wir seit einiger Zeit zusammenarbeiten, um den Dorfbewohnern in dieser Region zu helfen.

Abladen von Wellblech

Nachdem das Wellblech abgeladen wurde, wollten wir keine Zeit verlieren und schwangen uns gleich auf die Motorräder, um die umliegenden Dörfer zu besuchen. Zunächst ging es die Berghänge hinauf in den kleinen Ort namens Chapthok. Ungefähr 20 Familien leben hier sehr dicht an dem Berg. Ihre Felder liegen terrassenförmig zwischen ihren Behausungen. Doch diese sind zum Teil zu 100 % zerstört. In diesem Ort ist viel zu tun. Die Menschen haben an den steilen Hängen nicht viel Platz, um neue Hütten zu bauen. Zunächst müssen die Ruinen der alten Häuser beseitigt und der Boden begradigt werden. Erst dann können die Pfeiler aus Bambus aufgestellt werden. Für diese werden wir die Menschen dann mit Wellblech versorgen, sodass sie ein Dach für ihre Hütte bekommen. Die Seiten werden die Dorfbewohner dann mit altem Wellblech verkleiden. So ist gesichert, dass sie ein gutes neues Dach haben, durch das kein Regen kommt. Mit den Bewohnern des Dorfes haben wir vereinbart, dass wir nach einigen Tagen wieder kommen werden und ihnen das Wellblech anliefern. Bis dahin müssen sie jedoch Platz geschafft und die Grundstrukturen für die neuen Notunterkünfte errichtet haben.

Grundgerüst für Notunterkunft

Nächste Station war das Dorf Majhigaun. Ein Ort, an dem die Kaste der Fischer leben. 37 Familien benötigen hier neue Hütten. In diesem Dorf, ist jedoch mehr Platz vorhanden. Die Menschen können zwischen ihren Feldern Bambusgerüste erstellen und danach sofort das Wellblech verarbeiten. Wir beschliessen, in zwei Tagen wieder zu kommen und das Wellblech zu bringen.

Dorf Majhigaun

Wiederaufbau einer Schule in Setidevi

Die dritte Station am nächsten Tag hiess Setidevi. Hier haben wir uns entschieden eine komplette Schule wieder aufzubauen. Die Dorfbewohner waren begeistert und wollten mithelfen, damit ihre Kinder wieder in einem sicheren Gebäude lernen können. Um dem grossen Gebäude jedoch die notwendige Sicherheit zu geben, benötigen wir hier eine noch stabilere Konstruktion. Dafür werden wir ein Stahlgerüst erstellen lassen. Nach einigen Verhandlungen konnten wir uns mit den dort ansässigen Stahlbauern einigen. Ein Mann, der selbst eine Tochter in diese Schule schickt, erstellt uns in 5 Tagen ein Gerüst von 7 x 15 Meter. Inklusive Arbeitszeit und einer Ladung Stahl kostet uns das erste Gebäude dieser Schule um die 1300 Euro.

Zerstörte Schule in Setidevi

Auch in Hanumans Dorf sprachen wir mit vielen Menschen, die dringend eine Notunterkunft benötigen. Sofort begannen auch hier die ersten Bauarbeiten. Nach einem Tag schon hatte eine Familie ein sehr gutes Gerüst aus Holz und Bambus gebaut. So konnten wir schon am Dienstag die erste Hütte mit Wellblech bedecken. Und weiter ging es. Viele Familien waren sehr motiviert und erstellten gute Gerüste. Ein Enkel baute in einem Tag das Konstrukt für die Hütte seiner Grosseltern. Der Grossvater zählt mit seinen 93 Jahren zu den Dorfältesten. Als wir am Donnerstag erneut diese Baustelle besuchten, war das kleine Häuschen komplett fertig, gut mit Holz verkleidet und mit Fenstern und einer Tür ausgestattet. Nachbarn nahmen sich ein Beispiel und begannen ebenfalls mit der Errichtung von Gerüsten. Die Nepalesen sind Profis in Sachen Häuser bauen. Sie wissen selbst gut genug, wie stabil das Gerüst sein muss, um dem Monsun Stand zu halten. Doch neues Wellblech können sich die meisten nicht leisten. Das alte Wellblech hat oft Löcher und ist als Dach nicht zu gebrauchen. Indem wir die Dorfbewohner mit Wellblech ausstatten, können wir helfen und sie gleichzeitig motivieren, den Wiederaufbau in die Hand zu nehmen.

Im Gespräch mit Dorfbewohnern

Am Mittwoch waren die Dorfbewohner aus Majhigaun bereits soweit, dass sie ihr Wellblech erhalten konnten. Einen Tag später kamen die Menschen aus Chapthok und holten sich ihre Ladung Wellblech ab. Für jede Familie gab es 4 Stücke Wellblech à 3.6 Meter. Selbst haben wir natürlich auch mit angepackt. Innerhalb von 3 Stunden bauten wir unseren Nachbarn, einem alten Ehepaar, eine stabile, kleine Hütte. Zum Dank bekamen wir Reis mit Dhal und hofeigene Eier.

Bewohner holen Wellblech ab

Nach vier Tagen Wellblech verteilen, bauen, Dörfer besuchen und Baumaterial einkaufen, haben wir nun vier Grossprojekte innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt. 24 Häuser entstehen zur Zeit in Chapthok, 37 neue Hütten in Majhigaun. Und in Devighat, dem Ort an dem wir zur Zeit wohnen, entstehen rund 20 neue Häuser. Hinzu kommt die Primary School in Setidevi, für die in 4 Tagen die Grundmauern und das Gerüst für das erste Gebäude stehen. Das zweite Gebäude der Schule wollen wir so schnell wie möglich in Auftrag geben.

Beim Aufbau von Grundmauern

Über 80 neue Häuser und eine Schule sind im Entstehen. Das ist die Bilanz unserer Arbeit aus den letzten 4 Tagen. Dabei leben wir selbst momentan unter einer gemütlichen Zeltplane, also quasi unter freiem Himmel. Es ist einfach wunderbar hier auf der Erde mit zirpenden Grillen einzuschlafen und früh morgens von Vögeln und den umherlaufenden Ziegen, die an unserer Zeltplane knabbern, aufzuwachen. Dann der Blick auf die grünen Berge. Das gibt Kraft den neuen Tag mit vielen neuen Aufgaben zu beginnen.

Helfer beim Aufbau der Häuser

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Fotogalerie

In vier Wochen wird der Monsun die ohnehin unwegsamen Gebiete, in denen viele Dörfer durch die beiden verheerenden Erdbeben praktisch vollständig zerstört wurden, unzugänglich machen. Unser Team, dass seit drei Wochen Hilfsgüter, Zelte, Nahrung und medizinische Hife in diese Dörfer bringt, braucht dringend finanzielle Unterstützung, damit in der verbleibenden Zeit Wellblech gekauft und den Menschen gezeigt werden kann, wie sie mit einfachsten Mitteln regenfeste Unterstände bauen können. In der Region Devighat wurde in den letzten Tagen mit dem Aufbau von über 80 Häusern und einer Schule begonnen.

Helfer beim Aufbau der Häuser
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Links

"Liter of Light" ist eine Methode, mit einfachsten Mitteln aus einer Petflasche eine Solarlampe zu machen. Sie wird sehr erfolgreich in Gebieten eingesetzt, wo Menschen ohne Strom und in einfachsten Verhältnissen leben müssen.

Help Nepal now: Björn und Germaid haben einen eigenen Blog eingerichtet, auf dem sie ihre laufenden Berichte veröffentlichen.

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