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Krieg in der Ukraine

Am 24. Februar 2022 hat die Russische Regierung beschlossen, einen Militärfeldzug gegen die Ukraine durchzuführen, um das Land wieder unter die russische Kontrolle zu bringen. Erklärte Zielsetzung der russischen Invasion ist es, die Ukraine zu entmilitarisieren, eine neue Regierung zu installieren, welche die ostukrainischen Gebiete und die Krim als russisches Territorium anerkennt und die Sicherheitsgarantie abgibt, dass sich die Ukraine zu keinem Zeitpunkt der NATO anschliessen wird. Darüberhinaus soll die Ukraine "entnazifiziert"" werden, was bedeutet, dass die nationalistischen Gruppierungen der Ukraine zerschlagen und ggf. deportiert werden sollen.

Was von der russischen Regierung als "begrenzte militärische Operation" angekündigt wurde, weitete sich in den darauf folgenden Tagen zur Invasion aus. In den letzten fünf Wochen hat die russische Armee in einer Zangenbewegung grosse Teile der Ukraine an der Südgrenze (zum Schwarzen Meer) und praktisch alle Gebiete entlang der russisch-weissrussischen Grenze eingenommen und ist bis nach Kiev vorgerückt. 

Seit Kriegsausbruch stehen wir in ununterbrochenem Kontakt mit unseren eigenen Leuten aber auch mit allen Partnern und humanitären Organisationen in der Ukraine, denen wir in den letzten Jahren Hilfsgüter geliefert haben. Die Lage hat sich auch in den letzten Tagen weiter zugespitzt. Die russische Armee rückt nun von überall her weiter ins Landesinnere vor und die Bombardierungen haben sich weiter intensiviert. Da die Lage an der Grenze der Ukraine weiterhin unberechenbar bleibt, haben wir uns entschlossen, uns auf zwei prag­matische Initiativen zu konzentrieren, die wir logistisch meistern können.

1. Direkthilfe für den ukrainischen Katastrophenschutz (State Emergency Service)

Der ukrainische Katastrophenschutz (DSNS) verfügt über ca. 80'000 Einsatzkräfte, die logistisch hervor­ragend organisiert sind und sich auf dem gesamten Territorium der Ukraine befinden. Sie haben einen sehr guten und aktuellen Überblick und sind die primären Einsatzhelfer für die Bergung von Verwundeten, das Löschen der Brände und die Versorgung der Zivilbevölkerung. In direkter Zusammenarbeit mit dem DSNS haben wir in der Westukraine einen Hub eingerichtet, an den wir Hilfsgüter - hauptsächlich medizinische Versorgungsgüter, sowie Brandschutz- und Bergungsmaterial - direkt anliefern können. Von diesem Lager aus werden die 6 regionalen DSNS Versorgungseinheiten (in Lviv, Iwano Frankivsk, Ternopil, Chmelnyzkyj, Czernowitz und Winnyzja) direkt mit dringend benötigten Hilfsgütern versorgt.

Ein weiterer Hub befindet sich an der Südspitze Rumäniens in Tulcea, wo wir ebenfalls medizinische Versor­gungsgüter, sowie Brandschutz- und Bergungsmaterial direkt an den DSNS Odessa anliefern. Der ukrainische Katastrophenschutz verfügt nicht nur über die Leute, sondern auch über die logistischen Mittel, was es uns ermöglicht, so lange wie möglich die Zivilbevölkerung in der Ukraine direkt unterstützen zu können. Der ukrainische Katastrophenschutz hat uns die nachfolgende Liste mit dringend benötigten Hilfsgütern zusam­mengestellt, welche primär als unmittelbare Direkthilfe benötigt werden.

Seit Ausbruch der Kriegshandlungen in der Ukraine haben wir dem ukrainischen Katastrophendienst ca. 300 Tonnen an medizinischem Erstversorgungsmaterial sowie an Bergungs- und Feuerwehr-Equipment angelie­fert. Mindestens nochmals 300 Tonnen an Hilfsgüterlieferungen sind bis Anfangs April in der Planung. Auf der Übersicht über die aktuell durchgeführten Transporte können Sie die bereits ausgeführten sowie die noch geplanten Hilfsgütertransporte an den ukrainischen Katastrophendienst im Detail einsehen.

Seit Kriegsbeginn haben wir unser Netzwerk aktiviert, damit in verschiedenen Ländern Europas Hilfsmittel zusammengetragen, sortiert und für die Beladung auf Sattelschlepper bereitgestellt wird. Wir werden bspw. von der Firefighter Alliance unterstützt, die über ihr Netzwerk Bergungsequipment in ganz Europa zu­sammensucht, damit wir es den Katastrophenschutzhelfern in der Ukraine zur Verfügung stellen können. 

Die grossen Spitalverbände in Deutschland und der Schweiz prüfen ihre Lager und stellen uns medizinische Hilfs­güter bereit. Wir haben nur ein kurzes Zeitfenster von wenigen Wochen, in welchem wir Hilfsgüter in die Ukraine bringen können. Falls die russische Armee das ganze Land besetzt, wird sie die Grenzen schliessen und keine "ausländische" Hilfe mehr zulassen, damit nicht auf diese Weise ggf. Waffen ins Land gebracht werden oder "aufständische" Ukrainer unterstützt werden können.

2. Unterstützung der Flüchtlingslager in Polen und Rumänien

Wir haben verschiedene Anfragen erhalten, ob wir die jetzt entstehenden Flüchtlingseinrichtungen in Polen und Rumänien unterstützen können. Primär geht es dabei um Güter des täglichen Bedarfs. An verschiedenen Orten in Polen (Region Lublin) wurden bereits mehrere tausend Flüchtlinge entgegengenommen und erst­versorgt. Wir haben sowohl mit dem polnischen Innenministerium als auch lokalen Hilfsorganisationen Kontakt, welche die Flüchtlinge unterbringen und betreuen. Auch dem rumänischen Innenministerium sowie dem Roten Kreuz haben wir Hilfe zugesagt. Benötigt werden die folgenden Hilfsgüter:

In der Schweiz, Österreich, Italien, Luxemburg und in Deutschland wurden in den letzten drei Wochen be­sondere Sammlungen durchgeführt, damit wir den Bedarf an Hilfsgütern decken und sicherstellen können. Diese Hilfsgüter können mit "normalen" Transporten nach Polen und Rumänien gebracht werden. Der Zeit­druck ist nicht so gross und wir können voraussichtlich für die nächsten Monate kontinuierlich weiterliefern. Wir haben Ansprechpartner vor Ort und können sicherstellen, dass die Hilfsgüter direkt und ausschliesslich für die Flüchtlingshilfe eingesetzt werden.

Wir haben das Glück, dass wir über ein ausgedehntes Netzwerk mit Kontakten in ganz Europa verfügen, mit dem wir unsere Hilfe delegiert mobilisieren können. Wir sind neutral und beschränken uns ausschliesslich auf humanitäre Hilfe. Wir arbeiten derzeit vorwiegend mit den grossen Organisationen, der Caritas, dem Roten Kreuz und den Regierungen zusammen, damit wir effektiv sind und Zugang zu Ressourcen haben.

Gesamthaft haben wir im Monat März 18 Sattelschlepper mit einem Lade-volumen von durchschnittlich 12-15 Tonnen) für die Schutz- und Rettungsdienste in der Ukraine, sowie 42 Sattelschlepper mit Hilfsgütern für die Flüchtlings-Organisationen in Rumänen und Polen durchgeführt.

3. Lebensmittelieferungen

Wenn Länder wie Polen oder Rumänien von hunderttausenden von Flüchtlingen überflutet werden, so sind neben den Versorgungsgütern für die Unterbringung und die persönlichen Bedürfnisse der Flüchtlinge auch Nahrungsmittel in grossen Mengen von einem hohen zentralen Wert für die Flüchtlingsorganisationen. Das Rote Kreuz, welches in Rumänien die zentrale Organisation für die Flüchtlingsbetreuung ist, hat uns ange­fragt, ob wir auch Lebensmittel in Bulk-Mengen beschaffen können, die an die verschiedenen Regionen, an denen Flüchtlinge von Roten Kreuz untergebracht und betreut werden, zugeteilt werden.

Wir haben eine Reihe von Unternehmungen in der Lebensmittelproduktion angefragt und gebeten, uns Lebensmittel in grossem Stil zu Einstandspreisen anzubieten. Insbesondere Teigwaren, Reis, Mais und Kon­serven, welche lange haltbar sind, sind von primärem Interesse. Je nachdem, welche Mittel uns zur Verfü­gung stehen, werden wir im April 2022 anfangen, nebst allgemeiner Flüchtlingshilfe auch Lebensmittel aus der Schweiz und Deutschland nach Polen und Rumänien anzuliefern.

Finanzieller Bedarf

Als Netzwerkorganisation haben wir nur sehr geringe Kosten für unsere eigene Organisation. Primär müssen wir die Hilfsgüterlieferungen finanzieren. Im März sind es bisher ca. 70 Sattelschlepper, die je nach Lade- und Zielort im Durchschnitt zwischen € 2‘200.- und € 2‘600.- kosten. Der Finanzbedarf für die Hilfsgüter­transporte im März 2022 beläuft sich voraussichtlich auf € 175'000.-.

Wenn wir weitere Mittel erhalten, werden wir in der Lage sein, zusätzliche Lebensmitteltransporte durchzuführen. Pro Lebensmitteltransport rechnen wir mit einem Einkaufspreis von ca. € 5000.- für 10-15 Tonnen Lebensmittel, sowie € 2‘500.- an Frachtkosten pro Hilfsgütertransport. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, sind wir Ihnen für jeden Betrag dankbar. 

Fotogalerie

Ein Grossteil der Hilfsgüter, die wir derzeit nach Osteuropa bringen, geht entweder direkt in die Ukraine, wo wir die staatlichen Schutz- und Rettungstruppen beliefern oder an die Organisationen, welche sich in Rumänien und Polen um die ukrainischen Flüchtlinge kümmern. Solange der Krieg in der Ukraine andauert, wird dies unser Hauptfokus sein. Selbstverständlich liefern wir auch weiterhin viele Hilfsgütertransporte an lokale Hilfsorganisationen in ganz Osteuropa.

Das Gesicht des Krieges

Es ist vielleicht schwierig und nur schwer erträglich, die Bilder dieser Fotogalerie anzusehen. Es sind Bilder aus der kriegsversehrten Ukraine, die wir vom staatlichen ukrainischen Schutz- und Rettungsdienst erhalten haben. Sie zeigen die ungeschminkte Realität des Krieges. Wir konzentrieren uns drauf, die Menschen in der Ukraine und vor allem die Schutz- und Rettungstruppen zu unterstützen, weil sie von allen unsere Hilfe am meisten benötigen.

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